Ex-Bähnler
Hallo
Ich denke so einfach und klar ist die Sache schon nicht, denn ganz so einfach kann es sich die SBB dann glaube ich auch nicht machen. Sie hat nämlich eine gesetzliche Transportpflicht. Ein bisschen Interpretationsspielraum gibt es sicher, aber grundsätzlich ist die SBB verpflichtet alle Passagiere zu befördern, welche die “Gesetzes- und Tarifbestimmungen einhalten”. Wenn man nun nachweislich alle möglichen Versuche unternommen hat, ein Billett zu kaufen, die SBB aber technisch nicht fähig war, den Kauf abzuwickeln? Ich denke schon dass man da zu argumentieren versuchen könnte, dass die SBB ihre Seite der Transportpflicht trotzdem zu erfüllen (und den Fahrpreis nachträglich zu verrechnen) hat. Ob jemand im Fall der Fälle so eine Beschwerde auf sich nehmen würde, ist die Frage, ich wäre jedenfalls sehr am Ausgang eines solchen Verfahrens sehr interessiert.
In der Luzerner Zeitung war nach einem kürzlichen Ausfall (so viele Ausfälle wie sich die SBB leistet weiss ich nicht mehr genau, wann das war. Ich denke Ende Mai? Es war jedenfalls, wie ich aus eigener Erfahrung wusste, damals der dritte längere Totalausfall innerhalb nur einer Woche) ein Artikel zum Thema, indem sich ein Experte ähnlich geäussert hat. Es stand da, dass man bei der SBB unter gewissen Umständen im Störungsfall tatsächlich trotzdem einsteigen darf – da ich die Details aber nicht mehr im Kopf habe, kann ich es nicht genauer ausführen. Was mir aber geblieben ist, und was ich seltsam fand, ist, dass bei Regional-ÖV-Betreibern nicht unbedingt dasselbe gilt! In der selben Situation kann es also sein dass man trotzdem in einen SBB-Fernzug einsteigen darf, aber nicht in ein VBZ-Tram.
Edit: Ich habe den Artikel gefunden. Er ist allerdings hinter einer Paywall:
SBB-App down: Gratis fahren erlaubt - Bussen kann man verhandeln (luzernerzeitung.ch)
Vielleicht bin ich es mal, der einen solchen Fall auslöst 😂 ich bin auch fast täglich mit dem ÖV unterwegs, ohne Abonnements, und somit ein häufiger Kunde im SBB-Ticketshop. Die Häufigkeit und Dauer der Ausfälle ist, das darf man denke ich schon ganz direkt so sagen, ziemlich absurd, eigentlich inakzeptabel, und technisch auch nicht zu erklären – Redundanz? Ausweichsysteme? Die SBB-Infrastruktur scheint irgendwo in einem Keller auf einem einzelnen 386er mit 56K-Modem zu laufen.
Es ist ja meistens nicht so, dass einfach die App ausfällt und man noch ein Billett am Automaten (wo denn überhaupt möglich) lösen kann. Alleine in den letzten drei Monaten hatte ich es drei mal dass weder die SBB-App, noch die SBB-Website, noch die ZVV-App (die manchmal als Fallback funktioniert), noch der Billettautomat funktioniert haben. Manchmal funktioniert Letzteres noch, aber dieses Jahr häufen sich die Fälle, wo auch an den Automaten die Meldung erscheint, dass nur die Barzahlung funktioniert (und ganz ehrlich, wer hat heute noch einfach so immer Bargeld bei sich?). Umso besser wenn man dann, wie ich häufig, spät abends mit den jeweils letzten Verbindungen des Tages unterwegs ist. Bezahlt mir die SBB etwa ein Hotel, wenn ich 15 Minuten lang erfolglos versuche, ein Billett für den letzten Zug zu lösen und mir dieses nicht verkauft wird? Zumal es ja keinen Hinweis darauf gibt, ob und wann der Verkauf wieder funktionieren wird. Und die Ausfälle dauern ja meistens auch mehrere Stunden.
Als mir das kürzlich wieder passiert ist, habe ich den Kontrolleur gefragt, was man in solchen Fällen den korrekterweise tun sollte. Seine Antwort war, sich gleich beim Einsteigen beim Personal zu melden (in jenem Fall beim Tramchauffeur). In Tram oder Bus geht das wohl noch, was ich aber z.B. in einem Fernzug tun solle, wüsste ich immer noch nicht. (Vielleicht ist das die Erklärung für den “Sonderfall” SBB im Zeitungsartikel?) Wichtig ist aber, und das hat der Mitarbeiter ebenfalls gesagt, und wie unten von @ChristianGood46 erwähnt: alles dokumentieren. Auch ich habe Screenshots der Fehlermeldungen in allen Apps, und auch ein Bild des Fehlers auf dem Billettautomaten gemacht. Sollte der Kontrolleur keine Kulanz zeigen, wird das wichtig sein, um später eine allfällige Busse anzufechten.
Und Glück haben kann man auch: als ich das beim letzten Totalausfall wieder so gemacht habe, kannte der Kontrolleur kein Pardon (obwohl jeder einzelne Passagier im Tram “schwarz” gefahren ist, weil kein Billettsystem mehr funktioniert hat). Er wollte schon meine Personalien aufnehmen. Dann hat er sich trotzdem unverrichteter Dinge verabschiedet, weil der Totalausfall scheinbar auch seine Mitarbeiter-App umfasst hat, und er gar keine Meldung aufnehmen konnte 😄
LG, Daniel