Kulanz im Zug ist aus zeitlichen Gründen schwierig. Der Zugbegleiter kann nicht abfragen, ob jemand sonst immer ein Billett hatte. Ein Lehrer kann kulant sein, wenn ein Schüler die Hausaufgaben vergessen hat, denn er kennt den Schüler. Der Zugbegleiter sieht den Fahrgast nicht jeden Tag.
Ein klassischer Fall: Jemandem sind die doch recht komplexen Tarifregeln nicht bekannt. Er hat ein Abo für ZVV Zone 110, löst ein Billett von Altstetten nach Rheinfelden, nimmt aber den Direktzug ab Zürich HB. Ist Kulanz da angebracht? Ich bin der Meinung, auf jeden Fall. Beim ersten Mal.
Wenn der Zugbegleiter kulant ist, wird der eine oder andere Passagier denken, es komme ja sowieso immer ein anderer Zugbegleiter und auch in Zukunft erst ab Altstetten lösen. Deshalb ist der “Umweg” über die Zentrale notwendig. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Kulanz nicht missbraucht wird.