Hallo Flowefle80
Als SBB Community sind wir ein Kunden-Supportforum, das von Freiwilligen betrieben wird. Da wir Kundenreaktionen nicht bearbeiten können, empfehlen wir jeweils, den SBB Kundendienst zu kontaktieren.
Gerne möchte ich dir eine andere Seite aufzeigen, die des Kundenbegleiters. Mit Basis Luzern kenne ich die Gotthardroute und deren Herausforderungen sehr gut, sie ist eine unserer Stammstrecken.
Ich möchte mit meiner Antwort an dich Verständnis schaffen, dass es eben auch noch andere Bedürfnisse als die der Velofahrer gibt. Das geht leider bei dieser Kundengruppe zu oft vergessen. Ich sage nicht, dass du dazu gehörst, aber es soll dir aufzeigen, warum die Reaktion des Kollegen oder der Kollegin allenfalls so war.
Als viel gereister Mann und Kundenbegleiter muss ich sagen, dass ich es immer wieder erstaunlich finde, wie viele Menschen heute ohne jegliche Vorbereitung reisen. Dies produziert Stress bei den Reisenden, aber auch bei den beteiligten Personen, die eine Dienstleistung erbringen. Ich könnte ein Buch füllen mit Geschichten von Reisenden, die ohne Vorbereitung unterwegs sind. Gerade, was der Kauf von Tickets betrifft, zahlen Reisende ohne Vorbereitung oftmals mehr, um nicht zu sagen, zu viel, einfach weil sie sich die Mühe nicht nahmen, sich im Vorfeld zu informieren und als Konsequenz dann Vollpreis-Billette bezahlen müssen.
Was das Velo betrifft, bietet jedes Transportunternehmen der Schweiz hervorragende Informationen zum Veloselbstverlad. Die Reservationspflicht für IC-Züge ist transparent.
https://www.sbb.ch/de/reiseinformationen/individuelle-beduerfnisse/reisen-mit-velos/velotransport-zug.html
Als Kundenbegleiter weiss ich, Velofahrer ohne Reservation sind ein grosser Stressfaktor, auch für mich.
Es gibt aus meiner Sicht keine Kundengruppe, die mehr stresst, als Velofahrer. Warum? Weil sie oft nur sich selbst sehen und die Bedürfnisse der anderen Reisenden nicht wahrnehmen (wollen). Die Reservationspflicht wird oft nicht respektiert, man stellt das Velo einfach irgendwo im Zug ab, auch da, wo es nicht erlaubt ist. Dass der Kundenbegleiter die Verantwortung über den Zug trägt, und dann im Falle eines Notfalls eine Evakuierung des Zuges nicht möglich ist, weil die Durchgänge mit Gepäck und Velos versperrt waren, und er derjenige ist, der vor dem Richter geradestehen und sich erklären muss, weshalb nun so viele Fahrgäste es nicht rechtzeitig aus dem Zug geschafft haben, ist vielen nicht bewusst. Daher wohl auch die energische Reaktion in deinem Fall; der Kundenbegleiter wollte die Verantwortung für ein sicheres Verkehren des Zuges wahrnehmen; das ist sein absoluter Auftrag (und nicht etwa die Billettkontrolle).
Ein angenehmer Umgangston muss allerdings sein. Bei mir steigt die Lautstärke meist erst dann, wenn meine Anweisungen zum x-ten Mal nicht befolgt werden und wir deswegen eine Abfahrtsverspätung riskieren.
Auch wenn es freie Veloplätze gibt, heisst es nicht, dass die für immer frei bleiben. Diese können ab dem nächsten Halt reserviert sein. Daher wurde die Veloreservation eingeführt, sie soll das Reisen stressfrei gestalten, für Kunden und die Zugbegleiter. Eine Veloreservation ist jederzeit möglich, auch kurz vor Abfahrt. Wenn sie nicht möglich ist, dann sind alle Plätze, mindestens auf einer Teilstrecke, belegt. Die Kundenbegleiter haben mittlerweile eine App, wo sie Veloreservationen einsehen können.
Gerade gestern hatte ich einen Kunden im Zug. Mein Zug hatte 8 Wagen, in jedem Wagen ausser in Wagen 4 gab es je zwei (freie) Veloplätze. Auf der Perronanzeige sind die Velowagen transparent eingezeichnet.
Nein, der Kunde muss sein Velo in Wagen 4 einladen, der einzige Wagen im Zug, in dem es keine Veloplätze gibt, weil für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte reserviert. Er versperrte mit seinem Velo im Wagen 4 die Plattform und hinderte Rollstuhlreisende daran, autonom ein- und auszusteigen. Dies ist für mich genauso ein No-Go, wie wenn man Kunden anschreit.

Viele Grüsse und gute Fahrt,
Roland