So, wir sind wieder zurück und ich gebe gerne einen kurzen Reisebericht.
Die Fahrt war sehr angenehm. In Zürich wurden wir schon auf dem Perron vom freundlichen Personal begrüsst. Einziges Manko waren die reservierten Plätze. Das System scheint nicht zu wissen, welche Plätze nebeneinander liegen. Im Frecciarossa ist die Sitzordnung “A BC” und wir hatten “A” und “B”. (Wobei vielleicht nichts anderes mehr frei war, weil “C” der beliebteste Platz ist und es viele Einzelreisende hatte.) Im EC hatten wir die erhöhten Plätze direkt beim Wagenübergang. Dort hat es auf jeder Seite nur einen Sitz. Statt den Sitzen gegenüber haben wir auf beiden Strecken die nebeneinander (also durch den Gang getrennt) erhalten. In beiden Fällen konnten wir die Plätze tauschen, da es den anderen Paaren genau so ging. Das könnte man sicher auf der Buchungsplattform optimieren, auch ohne grafische Sitzplatzwahl.
Die Pünktlichkeit war nie ein Problem. Trotzdem ist ein längerer Aufenthalt in Mailand empfehlenswert, wenn man etwas Essen will. Es gibt weder in Mailand noch in Florenz Unterführungen zwischen den Gleisen. Man läuft also unter Umständen von ganz hinten nach ganz vorne und auf dem nächsten Perron wieder nach hinten. Da wären 20 Minuten knapp, um noch etwas zu Essen zu kaufen.
Wie @Ex-Bähnler geschrieben hat, ist das Angebot in Mailand innerhalb des geschlossenen Bereichs nicht überragend. Wir haben (vom Zug her gesehen) rechts der Mitte feine Panini gekauft und im Café Mignon auf der rechten Seite Espresso und Kuchen. War einfach, aber gut.
Man könnte den geschlossenen Bereich auch verlassen, ohne viel Zeit zu verlieren. Die Kontrollen sind nicht strikt wie zum Beispiel in Paris, wo es Warteschlangen gibt. Man zeigt dem Personal einfach ein Dokument mit Trenitalia-Logo und wird durchgelassen. Überhaupt wurde während dem ganzen Aufenthalt kein einziger QR-Code auf einem Billett gescannt. (Wobei die Missbrauchsgefahr in einem ausgebuchten Zug mit Platzreservation wohl klein ist.)
Florenz ist schön, aber total überlaufen. In der Umgebung der Sehenswürdigkeiten gibt es fast nur noch Läden teurer Modemarken. Schöne Restaurants findet man nur etwas ausserhalb. Lohnenswert ist das interaktive Leonardo-Museum. Die Galleria d’Accademia und die Uffizien waren so gut besucht, dass man kaum ein Kunstwerk in Ruhe betrachten konnte. Deshalb empfehle ich eher andere Städte. Verona ist auch gut besucht, aber fast nur der Balkon von Romeo und Julia. In Bologna verteilen sich die Leute irgendwie besser. Am wenigsten touristisch fand ich Parma, da steht wohl nicht auf dem Reiseprogramm der asiatischen Touristen.
Es gab in Florenz übrigens eine gut ausgebaute Strassenbahn. Als im 20. Jahrhundert das Auto aufkam, hat man sie leider bis 1958 abgebaut. Seit 2010 gibt es zwei neue Linien, betrieben durch die RATP, den Betreiber der Pariser Métro. Die Trams sind immer sehr voll, trotz 5-Minuten-Takt. Es wäre gut, man würde eine zweite Komposition anhängen.
Durch seine Einfachheit beeindruckt hat mich das Tarifsystem: Man hält nach dem Einsteigen die Kreditkarte an ein Lesegerät und kann dann für 1.70 Euro 90 Minuten fahren. Keine App, kein Halbtax, keine Zonen, für Touristen sehr komfortabel. Da könnte der ZVV etwas lernen. (Für Einheimische gibt es natürlich trotzdem Monats- und Jahresabos.) Schwarzfahren kostet übrigens 250 Euro.