Wenn ich in meinem Umfeld Reklamationen über die SBB bzw. den ÖV in der Schweiz generell höre oder mich selbst ärgere, liegt es fast nie am Kerngeschäft, dem Transport. Züge, Trams und Busse fahren grossmehrheitlich pünktlich, sind sauber und man muss sich keine Sorgen um die Sicherheit machen.
Getrübt wird der gute Eindruck durch Fehler und Unzulänglichkeiten beim Drumherum: mangelnde Kommunikation, strikte Auslegung des Tarifs, wenig Innovation auf den digitalen Kanälen…
Es ist global betrachtet Jammern auf hohem Niveau: Weil man sich in einigen Nachbarländern schon ärgert, dass der Bus nicht kommt, kommt man nicht dazu, sich über den an der Haltestelle aufgehängten, seit zwei Jahren veralteten Fahrplan aufzuregen. Wenn man regelmässig wegen maroder Infrastruktur den Anschluss verpasst, fällt einem nicht auf, dass man in der App immer noch keine Sitzplätze wählen kann.
Wenn ich “König der SBB” wäre, würde ich am Kerngeschäft vorerst nichts ändern, aber den “Beamtenmief” aufräumen und massiv mehr in die digitalen Kanäle stecken. Zuverlässig wie ein hundertjähriger Staatsbetrieb, aber innovativ und kundenorientiert wie ein Start-Up, das sollte das Ziel sein.