RolandP Hey Roland
ich bin weder in rage, noch brauche ich Dein Mitleid (hast Du eh nicht), belehrt möchte ich auch nicht werden, und weltfremde “Erziehungsmassnahmen” sind bei mir eh sinnlos. Also, bitte, bitte, lass doch den Zynismus.
Ich weiss nicht, in welchem Zeitalter die SBB-Direktion lebt (denen ist es vermutlich eh egal). Früher gab es Telefonkabinen, dafür keine Zweipunkt-Identifikation. Das Leben war einfacher.
Versuch mal heute, jemanden spontan anzurufen, ohne Mobiltelefon. Hm. Ist etwas kompliziert. Oder weisst Du, wo die nächste öffentliche Telefonkabine ist? Meine Zahlungen habe ich bei der Post früher mit Einzahlungsschein erledigt. Die Postfilialen sterben aber aus und meinen Postcard Leser habe ich auch schon ewig nicht mehr verwendet.
Die Welt verändert sich, bloss die SBB-Direktion scheint das noch nicht begriffen zu haben. Das heisst, solange es für sie passt. Das ist nicht Deine Schuld, aber auch nicht meine.
Ich weiss, ich bin selber schuld, dass ich mein Telefon verloren habe (bist du jetzt zufrieden?). Dennoch, die SIM-Karte ist mittlerweile zu einer Art ID geworden. Zweipunkt-Identifikation, schon vergessen? Via SMS, oder sonstwie. Swisspass. Kreditkarte. Stell dir vor, einer sitzt im Zug, hat das Handy beim Umsteigen verloren und der Kontrolleur will das Billet sehen, das mit dem Handy gekauft und bezahlt wurde. Boom, es gibt obendrauf eine saftige Busse. Freitag der 13, aber selber schuld. Und wenn der Reisende nicht genug Bargeld bei sich hat, wird er wie ein Verbrecher behandelt. Aussteigen, Ausweisen, Bahnpolizei, das volle Programm. Knallhart und gnadenlos. Glücklicherweise nicht mir passiert, aber auch schon beobachtet.
Die SIM ermöglicht es glücklicherweise auch, ein verlorenes Mobiltelefon jederzeit zu lokalisieren (zumindest, solange sie nicht ersetzt wurde und die Batterie noch etwas Ladung hat). Vom rechtmässigen Eigentümer. Mit ID und Passwort. Der sich notfalls auch analog ausweisen kann. Und auch sonst glaubhaft darlegen kann, dass es sein Telefon ist (wobei, heutzutage kann ja jeder kommen und behaupten, er habe MEIN Mobiltelefon verloren. Man kann ja nie wissen).
Ich begreife einfach nicht, weshalb ich es hinnehmen muss, dass die ach so fortschrittliche und moderne SBB noch nichts von dieser Technologie gehört haben will. Oder ist das einer dieser “Erziehungsmassnahmen” der SBB, den “Sünder” etwas schmoren zu lassen, soll er doch besser aufpassen beim nächsten Mal. So, wie man höllisch aufpassen muss, dass beim online Billetkauf die genaue Zeit, und der exakte Weg stimmen, selbst wenn die Verbindung zwar schlechter ist dafür mehr kostet? Jaja, man muss eben schauen und aufpassen, sonst gibt es die erzieherische Busse…
Nach Deinen belehrenden Bemerkungen würde ich es dir sogar zutrauen, dass du sowas gutheissen könntest.
Hast Du mittlerweile begriffen, weshalb ich das ach so sichere aber ineffiziente (und deshalb wieder unsichere) Verfahren der SBB hinterfrage? Und weshalb ich es befremdend finde, dass mir eine rückständige Direktion eines möchtegern modernen Betriebs einen Teil meiner Identität und Kommunikativer Mittel (heute muss man wohl oder übel mit der Zeit gehen, oder hast Du zwischenzeitlich eine Telefonkabine geortet) in einem Tresor verschliesst? Ich muss mir deshalb ein neues Telefon kaufen, eine neue SIM-Karte (der Vertrag mit Salt läuft, und jeder Tag kostet mich Geld), den Verlust bei der Hausratversicherung anmelden. Die diesen vermutlich nicht bezahlt, da das Handy ja wieder auftauchen könnte. Ist das eine dieser modernen Erziehungsmassnahmen by Erwachsenenbildner? Das ist ein völlig unnötiger, unangemessener administrativer Aufwand, für den “Verlierer”, wie auch für die SBB.
Ich habe kürzlich einen Zugbegleiter erlebt, in einem vollen IC, der hat tatsächlich mit jedem zweiten Reisenden eine völlig sinnlose Diskussion angezettelt, wegen Lappalien, die ihm persönlich nicht passten. Uniform (könnte ja jeder kommen…). Helligkeit des Handy-Bildschirms wegen QR-Code. Gepäck (IC Bern-ZH, da könnten unterwegs ja noch sooo viele Reisende einsteigen). Und dabei irrsinnig viel Zeit verloren. Hat eine gefühlte Ewigkeit gebraucht. Für drei Meter. Kein Wunder, konnte er die übrigen 500 nicht mehr kontrollieren. Scheint zu einer Art Kultur geworden sein bei der SBB.
Sorry dass Du das jetzt abbekommst, ist nicht persönlich gemeint, im Gegensatz zu deinen Bemerkungen. Ich sollte mich ja lieber ganz fürchterlich schuld fühlen und froh sein, dass mir einer hilft. Doch vielleicht könntest Du ja in deiner Funktion als Ausbildner dazu beitragen, dass bei den SBB wieder mehr gesunder Menschenverstand einzieht. Ich denke, eher nicht.
Ich habe eine Deiner früheren Antworten gelesen, ähnliche Problematik. Handy verloren, eindeutig lokalisiert, und dann die Welt nicht mehr verstanden. Und die gleichen belehrenden Worte aus Deiner Tastatur: “Gib Dir doch selber die Schuld”. Deshalb meine etwas geharnischte Antwort.
So, fertig gelästert, gute Nacht.